Versorgung und Hilfe bei psychischen Erkrankungen – nicht alle bekommen die Hilfe, die sie benötigen

- 1. September 2020

 

Psychische Erkrankungen in Deutschland sind weit verbreitet. Doch nicht alle Betroffenen erhalten die Behandlung, die sie eigentlich benötigen. Die Gründe hierfür können sehr vielfältig sein - tatsächlich spielt nicht nur die Versorgungslücke im Bereich der psychotherapeutischen Behandlung dabei eine Rolle.

 

In Deutschland erkrankt rund jeder vierte Mensch im Laufe seines Lebens an einer psychischen Erkrankung (auch Lebenszeitprävalenz genannt). Zu den häufigsten Erkrankungen zählen Depressionen, Angststörungen und Alkohol- bzw. Medikamentenabhängigkeit. So zeigt etwa eine Untersuchung, dass rund 10% aller Frauen und etwa 6% aller Männer eine ärztlich diagnostizierte Depression in den letzten 12 Monaten berichten (auch 12-Monats-Prävalenz genannt). Das bedeutet, dass in Deutschland pro Jahr etwa fünf Millionen Menschen an einer Depression erkranken. 
Zwar nehmen immer mehr Menschen Hilfe in Anspruch, dennoch bleiben in Deutschland je nach Störung 28-63% der Menschen mit einer psychischen Erkrankung ohne geeignete Therapie. Dabei rechnen Experten mit einem weiteren Anstieg des Behandlungsbedarfs im Bereich der psychischen Erkrankungen. Gleichzeitig bestehen im Bereich der psychotherapeutischen Versorgung, als eines der Leitlinienverfahren bei psychischen Störungen, Versorgungslücken, die unterschiedliche Gründe haben. So stellt die Psychotherapie bei psychischen Erkrankungen in vielen Fällen ein Mittel erster Wahl für eine Leitliniengerechte Behandlung dar. Die Wartezeiten auf einen Therapieplatz können allerdings Wochen bis Monate betragen. Auch wenn es große Unterschiede im Versorgungsangebot zwischen den Bundesländern sowie zwischen ländlichen und städtischen Regionen gibt, ist es doch nachvollziehbar, dass derart lange Wartezeiten viele Menschen von der Aufnahme einer Behandlung abhalten. Gleichzeitig bedeutet die Wartezeit oft Ungewissheit und kann zu einer Verschlechterung oder zu einer Chronifizierung der Beschwerden (also einem Übergang zu einer dauerhaften Erkrankung) beitragen.
 

 

Hinzu kommt, dass viele Betroffene bestehende Versorgungsangebote nicht in Anspruch nehmen, obwohl sie verfügbar wären. Dieses Problem zeigt sich weltweit: Eine Umfrage der WHO (Weltgesundheitsorganisation) ergab, dass über 60% der Befragten, bei denen eine therapeutische Behandlung hilfreich sein könnte, eine Bewältigung ohne professionelle Unterstützung bevorzugen. Auch führen weite Anfahrtswege zum Versorgungsangebot, eingeschränkte Mobilität, die Unvereinbarkeit einer Behandlung mit den eigenen Arbeitszeiten oder Ängste und Sorgen bezüglich einer möglichen Stigmatisierung (also einer Herabwertung von Betroffenen durch andere Personen) dazu, dass Hilfe oftmals nicht in Anspruch genommen wird. 
Bei psychischen Erkrankungen gilt aber: Je früher sie erkannt und behandelt werden, desto besser ist die Prognose! Sollten Sie oder Angehörige von Ihnen möglicherweise unter psychischen Beschwerden leiden, zögern Sie nicht. Informieren Sie sich und scheuen Sie sich nicht, sich Hilfe zu suchen. Ein erster Schritt könnte das vertrauensvolle Gespräch mit Ihrer/Ihrem Ärzt:in oder die Kontaktaufnahme mit einer/einem Psychotherapeut:in sein.

Weitere Informationen zu häufigen psychischen Beschwerden und deren Behandlung finden Sie auch u.a. hier:
•    Psychenet.de
•    Seelischegesundheit.net
•    Angstselbsthilfe.de
•    Bundespsychotherapeutenkammer – Wege zur Psychotherapie
•    Deutsche Depressionshilfe

-


 

 

 

Weitere News