Hinter den Kulissen – Was sind digitale Anwendungen?

- 03. Juli 2020

 

Wir erklären Ihnen, was es mit digitalen Anwendungen im Bereich der psychotherapeutischen Behandlung auf sich hat und wie eine mögliche Umsetzung von verzahnter Psychotherapie (PSYCHOnlineTHERAPIE) aussehen kann.

 

Unter Internet- und mobil-basierten Interventionen (IMIs) werden psychologische Programme zusammengefasst, die neue Medien einsetzen, um Betroffenen bei psychischen Leiden zu helfen. Der Sammelbegriff IMI umfasst dabei ein weites Feld, das von einfachen Erinnerungs-Mails über Apps bis hin zu virtual-reality-basierten Interventionen reicht. Die Interventionen unterscheiden sich in der Art der verwendeten Technologie (z.B. SMS, Apps, Online-Interventionen) und damit auch darin, wo oder wie IMIs eingesetzt werden. Außerdem sind ihre theoretische Grundlage und das Ausmaß an menschlicher Unterstützung verschieden. 
Bisher wurden IMIs in Deutschland vor allem als Selbsthilfeprogramme oder im Rahmen klinischer Studien eingesetzt. In anderen Ländern wie den Niederlanden oder Schweden erfolgt ihr Einsatz bereits häufiger und IMIs gehören zum Versorgungsalltag. Mit Inkrafttreten des digitalen Versorgungsgesetzes (DVG) kann sich das auch in Deutschland ändern: Die Bundesregierung will die Digitalisierung des Gesundheitswesens weiter vorantreiben und hat daher am 19. Dezember 2019 das DVG verabschiedet. Damit sollen in Zukunft nicht nur telemedizinische Angebote (z.B. Videosprechstunden) leichter nutzbar sein, sondern auch eine Kostenübernahme für digitale Gesundheits-Apps durch Krankenkassen ermöglicht werden.  Bei frei verfügbaren Selbsthilfe-Apps ist jedoch Vorsicht geboten, da deren Wirksamkeit meist nicht wissenschaftlich nachgewiesen wurde und Qualität und Datenschutz Mängel aufweisen können. Das DVG möchte daher auch in einem stark anwachsenden und inzwischen unübersichtlichen Markt an IMIs eine fundierte Beurteilung der Qualität und Sicherheit gewährleisten.

 

 

Neue Technologien sollen die traditionelle Psychotherapie jedoch nicht ersetzen, sondern diese sinnvoll ergänzen. So können IMIs die Psychotherapie unterstützen und deren Möglichkeiten erweitern, etwa durch mehr zeitliche und örtliche Flexibilität und Alltagsnähe.  Eine Möglichkeit, IMIs in Deutschland in die psychotherapeutische Behandlung durch Therapeutinnen und Therapeuten zu integrieren, ist der Ansatz der verzahnten Psychotherapie, welcher im Projekt PSYCHOnlineTHERAPIE wissenschaftlich untersucht wird. Im Rahmen dieses vom Innovationsfond des gemeinsamen Bundesausschusses geförderten Projekts wird die psychotherapeutische Routineversorgung mit Online-Sitzungen verzahnt, die Patientinnen und Patienten selbstständig durchführen (PSYCHOnlineTHERAPIEfix und PSYCHOnlineTHERAPIEflex). Die einzelnen Online-Sitzungen in PSYCHOnlineTHERAPIE beinhalten Therapieelemente der kognitiven Verhaltenstherapie bei depressiven Störungen und Angststörungen (z.B. Psychoedukation, kognitive Umstrukturierung, Verhaltensaktivierung). Therapeutinnen und Therapeuten weisen ihren Patientinnen und Patienten dabei im Therapieverlauf individuell geeignete Online-Sitzungen zu. Die Varianten verzahnter Psychotherapie werden im Projekt bezüglich Wirksamkeit, Kosten-Effektivität, Akzeptanz und Durchführbarkeit mit der konventionellen Standardbehandlung (ausschließlich persönliche Psychotherapie-Sitzungen) verglichen (PSYCHOnlineTHERAPIEstandard). Bei erfolgreicher Evaluation bietet PSYCHOnlineTHERAPIE eine neue und wirksame Versorgungsform, die digitale Anwendungen auf innovative Weise in die therapeutische Versorgung integriert.
 


Weitere Informationen zu ‚Digitalen Anwendungen‘ finden Sie auf der Seite des Bundesministeriums für Arzneimittel- und Medizinprodukte.